Universitätsklinikum erhält schnellste Ultraschalltechnik gegen Schilddrüsenknoten

Pressenmitteilung vom 06. Januar 2017

Am Universitätsklinikum Frankfurt wurde am 5. Januar die neueste Generation der schonenden Ultraschalltechnologie für die Therapie von Schilddrüsenknoten installiert: HIFU Beamotion. Das Gerät für hochintensiv fokussierten Ultraschall (HIFU) bietet Patienten den Vorteil einer sehr deutlich reduzierten Behandlungszeit: Sie verkürzt sich um circa 70 Prozent.


Mit dem HIFU Beamotion können sowohl gutartige als auch bösartige Knoten entfernt werden, ohne dass die Ärzte einen einzigen Schnitt im Körper machen müssen. Es wird nur das erkrankte Gewebe zerstört, während die Haut und die restliche Schilddrüse verschont bleiben und ihre normale Funktion behalten. Nach der Behandlung sind im Regelfall keine Schilddrüsenmedikamente mehr nötig.

Außergewöhnliche Technik macht Behandlung besonders schonend und komfortabel
Fast 20 Prozent der Deutschen haben einen oder mehrere Schilddrüsenknoten. Die dadurch verursachte Vergrößerung der Schilddrüse kann sich für die Betroffenen sehr unangenehm auswirken: Ein Gefühl wie bei einem Kloß im Hals, ein unangenehmes Druckgefühl, Heiserkeit oder Räusperzwang können die Folge sein. Früher wurden die Knoten oft durch eine Operation entfernt. Das ist allerdings für die Patienten belastend und mit Risiken verbunden. Mit dem HIFU Beamotion können die Geschwulste sehr schonend behandelt werden. Es ist ein Verfahren der Thermoablation, bei dem erkranktes Gewebe durch Hitze beseitigt wird. Bei den meisten dieser Techniken wird dafür eine Nadel in den Körper eingeführt. Das Besondere an der Ultraschallbehandlung ist, dass sie überhaupt keinen Schnitt im Körper des Patienten benötigt. Sie beseitigt den Knoten unter der Haut, ohne diese zu beschädigen. Hierbei werden Ultraschallwellen ähnlich wie Sonnenstrahlen durch eine Lupe auf einen präzisen Punkt innerhalb der Schilddrüse gebündelt. Damit wird eine lokale Erwärmung des Gewebes erreicht, ohne das umgebende Gewebe zu beeinflussen. Die Hitze zerstört die erkrankten Zellen des Schilddrüsenknotens, die danach vom Körper selbstständig abgebaut werden. Mit dem HIFU Beamotion kann dieses Verfahren nun viel schneller durchgeführt werden. Verantwortlich dafür ist eine minimale Rotation des Behandlungskopfs. Dadurch deckt der Strahl des Ultraschalls eine größere Fläche ab – mit durchschlagendem Erfolg: Bei einem beispielsweise fünf Milliliter großen Knoten wird nur noch circa eine Viertelstunde Behandlungszeit benötig, während man dafür mit den bisherigen Geräten fast eine Stunde brauchte. Das macht die Behandlung für die Patienten deutlich komfortabler.

Das richtige Verfahren für jeden Patienten
Die Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt hat das HIFU-Verfahren international etabliert. Im Jahr 2014 hatte sie die erste Ultraschallbehandlung von Schilddrüsenknoten in Deutschland durchgeführt. Die Therapie ist eine von verschiedenen Varianten der Thermoablation von Schilddrüsengewebe, die als Alternative zur Schilddrüsenoperation an diesem Standort angeboten werden. Das Universitätsklinikum nimmt auch international eine Führungsposition bei der Weiterentwicklung und dem Einsatz der Technologie ein. So hat das Frankfurter Ärzteteam unter der Leitung von PD Dr. Hüdayi Korkusuz und Prof. Frank Grünwald das „Frankfurter Protokoll“ zur optimalen Durchführung der HIFU-Therapie entwickelt. Mittlerweile nutzen verschiedene Zentren weltweit das Protokoll zur Behandlung. Neben der Ultraschallbehandlung bietet das Universitätsklinikum auch die Radiojodtherapie, die Mikrowellen- und die Radiofrequenzablation an. Um die Verfahren weiterzuentwickeln, die Expertise weiterzugeben und Patienten über Alternativen zur Schilddrüsenoperation zu informieren, wurde 2014 das Deutsche Zentrum für Thermoablation von Schilddrüsenknoten (www.dzta.de) gegründet. Die Institution hat das Ziel, die Thermoablation von Schilddrüsenknoten in Deutschland zu optimieren und den ärztlichen Austausch über Erfahrungen mit den verschiedenen thermoablativen Verfahren zu fördern. Ärzte können dort auch ihre Kenntnisse der Thermoablation von Schilddrüsenknoten prüfen und zertifizieren lassen. Damit sichert das DZTA eine hohe Behandlungsqualität über den Standort Frankfurt hinaus. 

 

 

Nebenschilddrüsenadenom: Uniklinikum schießt jetzt noch präziser

Pressenmitteilung vom 05. Oktober 2016

Die Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt hat als erste Klinik weltweit überhaupt ein gutartiges hormonproduzierendes Geschwulst der Nebenschilddrüse mithilfe der schonenden bipolaren Radiofrequenzablation entfernt.

Die Überfunktion der Nebenschilddrüse gehört zu den häufigsten hormonellen Erkrankungen und wird meist durch ein sogenanntes Adenom, eine gutartige Wucherung direkt am Organ, ausgelöst. Diese Störung wird auch als primärer Hyperparathyreodismus (pHPT) bezeichnet und äußert sich in einer Überproduktion des Parathormons, das den Kalziumhaushalt des Körpers reguliert. Werden zu große Mengen des Hormons produziert, wird Kalzium aus dem Knochen abgebaut und gleichzeitig der Kalziumspiegel im Blut überhöht. In der Folge kommt es zu Osteoporose, also einem Knochenschwund. Außerdem kann die Störung zu einer vermehrten Bildung von calciumhaltigen Nierensteinen, Herzrhythmusstörungen, Abgeschlagenheit, Reizbarkeit und vor allem einem Mangel an sexuellem und emotionalem Interesse führen. Die einzige Möglichkeit zur dauerhaften Behandlung dieser Überfunktion bestand bisher in der operativen Entfernung der betroffenen Nebenschilddrüse.

Die Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt hat mit der sogenannten bipolaren Radiofrequenzablation ein Verfahren zur minimal-invasiven Therapie der Erkrankung entwickelt und nun als erstes Krankenhaus weltweit in der Patientenbehandlung eingesetzt. „Das Verfahren bietet das Potenzial, Nebenschilddrüsenadenome an besonders sensiblen Stellen sehr schonend zu beseitigen“, erläutert Prof. Frank Grünwald, Leiter der Klinik für Nuklearmedizin. „Wir freuen uns, mit dieser Weiterentwicklung unser Angebot um ein sehr vielversprechendes Verfahren ergänzen zu können“, ergänzt PD Dr. Huedayi Korkusuz, der die Behandlung durchgeführt hat.

Risikoarme Behandlung durch präzise Hitzeeinwirkung

Bei dieser neuartigen Behandlung wird unter lokaler Betäubung zunächst eine kleine Sonde durch die Haut in das Adenom eingeführt. Durch dieses Röhrchen lenken die Ärzte dann Hitze auf das Geschwulst, wodurch es zerstört und anschließend selbstständig vom Körper abgebaut wird. Das neue, jetzt erstmalig in der Nebenschilddrüsenadenombehandlung eingesetzte Verfahren erlaubt eine noch risikoärmere Behandlung des betroffenen Organs als andere Formen der Thermoablation. Während die monopolare Technik die Energie in den Körper leitet, fließt bei der bipolaren Radiofrequenzablation die Energie ausschließlich zwischen zwei nah beieinander liegenden Polen an der Spitze der Sonde und erhitzt das dazwischenliegende Gewebe. Durch diesen präzisen Fokus entsteht Wärme nur im direkten Umfeld. Dadurch ist das Verfahren für die umliegenden Nerven besonders schonend.

Beschwerdefrei in gut zwei Minuten

Die nun im Deutschen Zentrum für Thermoablation von Schilddrüsenknoten (www.dzta.de) an der Klinik für Nuklearmedizin des Frankfurter Universitätsklinikums erstmals an einer Patientin mit Nebenschilddrüsenadenom durchgeführte Behandlung dauerte nur 129 Sekunden. Bereits innerhalb einer Woche hatte der Parathormon-Spiegel im Blut wieder ein normales Niveau erreicht. Dieses Ergebnis beweist, dass sich mit der bipolaren Thermoablation auch kleinste Strukturen sicher therapieren lassen, ohne anderes Gewebe zu beschädigen. Zudem ist die Behandlung vollständig ambulant durchführbar und hinterlässt keine Narben auf der Haut. Weltweit wurde die Therapie bisher in nur wenigen Zentren mit der monopolaren Radiofrequenzablation oder mit der Laserablation durchgeführt.

Erstmalig in Deutschland: Schilddrüsenkrebs durch Hitze zerstört

Pressenmitteilung vom 13. Juli 2016

Die Klinik für Nuklearmedizin am Frankfurter Universitätsklinikum hat als erste Klinik überhaupt Metastasen eines Schilddrüsenkarzinoms durch Thermoablation behandelt.

Schilddrüsenknoten sind ein sehr häufiges Phänomen. Fast 20 Prozent aller Deutschen haben einen oder mehrere. Während die meisten dieser Geschwulste gutartig sind, handelt es sich bei rund 0,2 Prozent um bösartige Karzinome. Nach einer Schilddrüsenoperation und anschließender Radiojodtherapie sind die betroffenen Patienten in der Regel erfolgreich therapiert. In seltenen Fällen wirkt die Radiojodtherapie jedoch nicht. Bisher waren dann erneute Operationen oder eine Chemotherapie notwendig.

Im Deutschen Zentrum für Thermoablation von Schilddrüsenknoten der Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt wurde jetzt eine Patientin mit Metastasen eines Schilddrüsenkarzinoms erfolgreich mittels Thermoablation therapiert. „Wenn sich die sehr guten Ergebnisse bei weiteren Einsätzen bestätigen, haben wir eine hervorragende Alternative für die Behandlung von Halsmetastasen von Schilddrüsenkrebs für Patienten, bei denen eine Radiojodtherapie, Operation oder Chemotherapie nicht möglich ist“, erklärt Prof. Frank Grünwald, Leiter des Thermoablationszentrums. „Das Verfahren ist effektiv und im Vergleich mit einer Operation oder Chemotherapie sehr nebenwirkungsarm“, ergänzt PD Dr. Huedayi Korkusuz, der die Behandlung durchgeführt hat.
Effektiv und schonend
Die Thermoablation ist ein Verfahren, das bei gutartigen Schilddrüsenknoten sehr erfolgreich erprobt wurde. Unter lokaler Betäubung wird eine kleine Sonde durch die Haut in den Schilddrüsenknoten eingeführt. Durch dieses Röhrchen lenken die Ärzte Hitze auf den Knoten – in diesem Fall die Metastase. Sie wird durch die Temperaturerhöhung zerstört und wird danach selbstständig vom Körper abgebaut. Die Dauer der Behandlung beträgt je nach Größe der Metastase zwischen zehn und 15 Minuten. Ein stationärer Aufenthalt ist dafür nicht notwendig. Durch die Behandlung entstehen keine Narben auf der Haut.
Im aktuellen Fall wurde eine 86-jährige Patientin behandelt. Ihr wurde 2001 die Schilddrüse entfernt. In der Nachsorge stieg der Tumormarker, ein Indikator für Krebszellen, wieder an. Die Ultraschalluntersuchung brachte dann Gewissheit. Im Halsbereich befand sich eine Lymphknotenmetastase des Schilddrüsenkarzinoms. Eine erneute Operation wurde jedoch von den behandelnden Ärzten aufgrund des sehr hohen Risikos abgelehnt. Die Patientin stellte sich daraufhin diesen Februar in der Klinik für Nuklearmedizin vor. Die Mediziner des Deutschen Zentrums für Thermoablation von Schilddrüsenknoten konnten die Metastase erfolgreich zerstören. In der Verlaufskontrolle fand sich bereits nach drei Monaten eine 80-prozentige Volumenreduktion der Lymphknotenmetastase, verbunden mit einer Normalisierung des Tumormarkerspiegels im Blut.

Radiofrequenz gegen Schilddrüsenknoten

Pressemitteilung vom 7. Juli 2015

Die Klinik für Nuklearmedizin am Frankfurter Universitätsklinikum hat als erste Klinik überhaupt einen heißen Knoten bei einem Kind mittels Radiofrequenzablation behandelt.

Seit ungefähr einem Jahr war den Eltern ein Knoten am Hals ihrer Tochter aufgefallen. Die anschließenden Untersuchungen bestätigten einen heißen Schilddrüsenknoten. Die Schilddrüsenhormonwerte waren deutlich erhöht, es lag eine Überfunktion vor. Die junge Patientin gab Herzrasen, Herzstolpern und vermehrte Nervosität als Symptome an. Patientin und Eltern lehnten eine Operation zur Entfernung des Knotens wegen der damit verbundenen Risiken ab. Eine lebenslange Medikamenteneinnahme und die Risiken einer Operation und Narkose wollten die Eltern ihrer jungen Tochter ebenfalls nicht zumuten. Daher haben sie sich an das Deutsche Zentrum für Thermoablation von Schilddrüsenknoten e.V. am Universitätsklinikum Frankfurt gewandt. Nach intensiver Voruntersuchung in der Klinik für Nuklearmedizin unter der Leitung von Prof. Frank Grünwald hat sich die Familie in Absprache mit den Ärzten für eine Radiofrequenzablation entschieden. Zum ersten Mal weltweit ist ein Kind mit diesem Verfahren behandelt worden. Die Therapie ist ohne Komplikationen erfolgreich verlaufen.

Hitze verkleinert Knoten effizient und schonend

Für die ambulante Therapie war nur eine örtliche Betäubung nötig. Eine kleine Sonde wurde durch die Haut auf den Schilddrüsenknoten geleitet. Durch diese konnte Radiofrequenzenergie ganz präzise auf das erkrankte Gewebe gelenkt und damit erhitzt, zerstört und vom Körper selbstständig abgebaut werden, ohne benachbarte Organe zu beeinträchtigen. Mithilfe der Behandlung gelang es, große Teile des Schilddrüsenknotens effektiv zu beseitigen. „Weil das Verfahren sehr schonend ist, eignet es sich grundsätzlich besonders gut für Kinder“, betont PD Dr. Huedayi Korkusuz, der die Behandlung durchgeführt hat.

Weltweit einmalige Vielfalt bietet individuelle Behandlungsalternativen – erstmals auch für jüngere Patienten

Verschiedenste Verfahren der Thermoablation von Schilddrüsenknoten stehen als Behandlungsalternativen bei allen gutartigen Schilddrüsenknoten seit 2012 am DZTA zur Verfügung. Nachdem die Mitarbeiter im August 2012 die Mikrowellenablation eingeführt haben, sind im Januar 2014 die ersten Patienten mit einem fokussierten Ultraschall an Schilddrüsenknoten behandelt worden. Seit Oktober 2014 wird zusätzlich die Radiofrequenzablation angeboten. Bei Patienten mit heißen und kalten Schilddrüsenknoten wird eine Kombinationstherapie aus Thermoablation und Radiojodtherapie durchgeführt.

Die 15-jährige Patientin drei Wochen nach der Radiofrequenzbehandlung durch eine dünne Sonde im Hals: Es sind keine Spuren des Eingriffs mehr zu erkennen.
PD Dr. Huedayi Korkusuz hat die Behandlung durchgeführt.